Unsere Arbeit trägt Früchte
Kategorie: Childaid Network, Königsteiner Salon, PressemitteilungVON: ANNETTE WITTKOPF
Bei einer intensiven Projektreise zeigt sich: Die Projektarbeit von Childaid Network in den ländlichen Gebieten Nordostindiens und Nepals trägt viele Früchte.

Rund 2000 Kilometer in nur zwei Wochen auf zum Teil schlechten Straßen in Nordost-Indien – die Reise von Dr. Martin Kasper zu 20 verschiedenen Projektstandorten, die er mit seiner Stiftung Childaid Network im indischen Bundesstaat Assam finanziert, war anstrengend, aber auch sehr erfreulich. „Es läuft gut und es hat richtig Spaß gemacht“, berichtet er, nachdem er Dienstag wieder in Frankfurt landete.
Ein Schwerpunkt seines Indienbesuchs war festzustellen, wie die berufliche Ausbildung voran geht. Erst im Februar/März dieses Jahres wurde die Arbeit in zwölf Berufsbildungszentren in zumeist dörflichen Gegenden gestartet. 500 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren erlernen dort einen Beruf: Weben, Schneidern, Sticken und Korbflechten, sie stellen Strohhüte her, die von den Teepflückerinnen getragen werden, Matten zum Bau von einfachen Hütten und Möbel. Sie lernen Autofahren und werden zu Kraftfahrzeugmechaniker ausgebildet. Auch landwirtschaftliche Projekte wie der Aufbau einer Hühnerfarm sind angeschoben worden.
Ziel der Ausbildung ist entweder eine Anstellung, aber in den ländlichen Regionen sind Arbeitsplätze Mangelware, oder der Aufbau einer Kooperative, in der die jungen Leute gemeinsam arbeiten und Geld verdienen. „Die Grundphilosophie ist eine fünf bis sechs monatige Ausbildung, die auch Ansätze unternehmerischer Fähigkeiten und betriebswirtschaftliche Aspekte beinhaltet“, erläutert Dr. Kasper das Projekt „Zukunft durch Selbständigkeit in produktiven Kooperativen“.
Während in manchen Orten, die er besuchte, das Berufsbildungszentrum noch in der Aufbauphase ist, erst aus einer Betonplatte, Mattenwänden und einem Blechdach besteht, präsentierten ihm Berufsschülerinnen in Bootheachang bereits stolz eine ganze Musterkollektion selbst hergestellter Kleidungsstücke. „Gute Qualität und eine gewisse Geschwindigkeit beim Arbeiten sind Voraussetzungen für Erfolg“, sagt Dr. Kasper und bekennt: „Ich war sehr angetan von der breiten Kollektion. Für die jungen Frauen beginnt jetzt die Phase des Verkaufens auf dem lokalen Markt.“
Die Partner vor Ort sind elektrisiert und machen begeistert mit, stellte er fest und berichtete, dass ihm in einer Kooperative in Harmutti die jungen Mitglieder der Kooperative bereits voller Stolz ein Sparbuch mit den ersten Einnahmen präsentierten. 100.000 Rupien, umgerechnet 1540 Euro, haben sie schon verdient und zur Bank gebracht. Denn für die Ausbildung kommt Childaid Network auf, die Produktionsmittel für die Anfangs- und Anlaufphase aber sind Leihgaben und müssen später zurück gezahlt werden. Dieses Geld fließt dann ins nächste Projekt.
Ein Höhepunkt seiner Indienreise war ein „Community School Day“ in Dimapur. 600 Schülerinnen und Schüler und 100 Lehrer aus fast 200 Dorfschulen im oberen Tal des Brahmaputra waren dort zusammen gekommen und präsentierten ein vierstündiges Programm mit Liedern, Tänzen und Sketchen in englischer Sprache. „Es war atemberaubend und bewegend zu sehen, mit welchem Selbstbewusstsein sich die jungen Leute auf der Bühne bewegten“, berichtet Dr. Kasper. „Vor drei Jahren konnten sie noch nicht einmal ihren Namen schreiben.“
Zwischen 13 und 20 Jahre alt sind die Schülerinnen und Schüler, die dank Childaid Network erst einmal Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, denn in ihren Dörfern gab es keine Schulen oder Lehrer. Tagsüber arbeiten sie bereits. Lernen tun sie abends in der Abendschule beim spärlichen Licht einfacher Funzeln. Sie haben einen enormen Nachholbedarf an Bildung, hat Dr. Kasper festgestellt. „Es macht richtig Spaß, ihnen zuzusehen.“ Und er nennt als ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen mit ihnen die Führungsgeneration für die Dörfer heranbilden.“
Dritter Schwerpunkt der Reise war ein Besuch in der Partnerschule des Taunusgymnasiums in Amguri. Die Kinder, die dort unterrichtet werden, sind zwischen vier und zwölf Jahre alt. Sie kommen aus den Flüchtlingscamps und werden von Lehrern unterrichtet, die von Childaid Network bezahlt werden. 4000 Kinder besuchen inzwischen den Unterricht der 75 Lehrer.
Auch dort erlebte Dr. Kasper eine Vorführung der besonderen Art. Ende August waren Mitarbeiter des „Circus Projekt Waldoni“ aus Darmstadt nach Indien gereist, um dort bereits zum zweiten Mal mit Straßenkindern zu arbeiten. Ebenfalls seit Ende August sind die Königsteiner Abiturientin Karoline Schmidt und Felix Krause in Amguri, Mitte September folgte ihnen Studienrat Thomas Brinkmann dorthin, der am Taunusgymnasium das Amguri-Projekt betreut.
Vor rund 1000 Zuschauern führten jetzt Fünftklässler der Schule ein Theaterstück „Robin Hood“ auf, das sie mit Karoline Schmidt einstudierten. Die Viertklässler machten Musik und zeigten einheimische Tänze. Zu den Höhepunkten gehörten aber ohne Zweifel auch die artistischen Darbietungen, die von den Kindern innerhalb nur weniger Wochen eingeübt wurden und die sie mit großer Sicherheit und Bravour vorführten.

