15.09.11 20:19 Alter: 160 days

5 Jahre Childaid Network und Königsteiner Salon

Kategorie: Childaid Network, Medienbericht, Königsteiner Salon

VON: ELENA SCHEMUTH

Seit fünf Jahren sind wir mit einem ehrenamtlichen Team und vielen Förderern und Freunden erfolgreich unterwegs, um bedürftigen Kindern Zukunftschancen zu eröffnen. Zum Jubiläuum portraitiert die KöWo unsere Arbeit in einem langen Artikel auf der Titelseite:


Hier ist der Link zum Artikel (Seite 1 und 3)


5  Jahre Childaid - Es ist uns gelungen, andere anzustecken

Unseren Kindern geht es gut. Sie erfahren eine liebevolle Betreuung, werden gefördert. Das sind Chancen, die viele andere Kinder dieser Welt nicht haben, weil sie am falschen Ort geboren sind“. Aus dem Königsteiner Dr. Martin Kasper spricht die Erfahrung. Sein persönliches Schlüsselerlebnis hatte der Gründer der Childaid Stiftung vor einigen Jahren am anderen Ende der Welt, inmitten einer traumhaft schönen Reiskulturlandschaft, umgeben von 2.000 Jahre alten Reisterrassen auf der philippinischen Insel Luzon. „Mein Kind wird sowieso nicht überleben, wenn es geboren wird“, sagte damals eine werdende Mutter zu ihm und seiner Frau Dr. Brigitta Cladders, die ihn auf diese Reise begleitet hatte. Erschütterung machte sich in den Gesichtern der beiden Deutschen breit angesichts dieser Hoffnungslosigkeit. Die Frau würde ihr Kind in der Regenzeit zur Welt bringen, in der die Vorräte aufgebraucht sind und die meisten Menschen in der Region kraftlos sind – ergo, kaum eines der Babys, das in dieser Zeit geboren wird, überlebt erfahrungsgemäß. „Das darf und kann nicht sein!“, suchte sich das Königsteiner Ehepaar gegen diese traurigen Umstände zu stemmen und hatte zum Glück auch die finanziellen Mittel, um das nicht nur mit Idealismus, sondern auch mit dem benötigten Kapital zu tun. „Es gibt viele, die sich sozial engagieren, es ist aber wichtig, dass man das strukturell anpackt, das Herz allein reicht nicht“, weiß Dr. Kasper, der inzwischen mit seiner Stiftung in einer der entlegensten Regionen dieser Erde – in Nordostindien – seit fünf Jahren tätig ist und den Menschen und vor allem den Kindern dort Hoffnung schenkt, indem er ihnen Zugang zu Bildung verschafft. Es ist erwiesen: Allein schon ein zusätzliches Jahr Grundschul-Bildung verlängert die Lebenserwartung um zwei bis drei Jahre, denn die Menschen wissen sich besser zu helfen, sich und ihre Kinder auf die richtige Weise zu ernähren und vor Krankheiten zu schützen. „Ich muss noch den einen Inder finden, der sein Land so gut kennt wie ich“, hat der Stiftungsgründer doch seit Anfang der 80er- Jahre dieses Land so oft von der Südspitze bis in die Berge bereist wie kaum ein anderer. 800 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen; die Situation der Mittelschicht hat sich verbessert, aber auf dem Land sieht es anders aus. Trotz dieser schwierigen Lebensumstände sind die Menschen hier reich an Kultur und gastfreundlich. Assam ist das Tor zu der Region, in der Dr. Kasper etwas verändern möchte. Hier, auf einer Fläche so groß wie die alte Bundesrepublik, leben 40 Millionen Menschen mit einem Einkommen weniger als einem Euro pro Tag. Erschreckend: 40 Prozent der Kinder sterben vor ihrem fünften Lebensjahr – vor allem in den Bergen ist die Lage verheerend. Hier fehlt es an allem, vor allem an der nötigen Infrastruktur, damit sich die Menschen von ihren Nöten befreien können, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Arbeit ist darauf ausgerichtet, dass Childaid an den Strukturen von sozialen Organisationen vor Ort andockt. Ein solches Netzwerk, das seit Jahren gut funktioniert, ist die Verbindung zu den Salisianern, zum katholischen Orden „Don Bosco“. Sie widmen ihr Leben bedürftigen Kindern und Jugendlichen, haben so genannte „Social Development Offices“ eröffnet, um die soziale Entwicklung voranzutreiben, dazu 70 Schulen mit 1.000 bis 2.000 Schülern und sogar Colleges. Vor allem an die Büros für Ländliche Entwicklungshilfe sind viele Projekte gebunden, die von Bedeutung für Childaid sind. „Wir arbeiten vor Ort mit ehrenamtlichen Organisationen, die Spenden wandern ohne Abzüge in die Projekte – große Wirkung mit geringem Aufwand“, das sei wichtig, erläutert Kasper, dass die Menschen das Kapital seien und dass man in sie investiere.
Die Hilfe funktioniert so: Ein Dorf stellt ein Gebäude, das beispielsweise als Schule dienen soll und macht mobil. Childaid bildet die Lehrer aus. Lässt sich die Hilfe auch in Zahlen ausdrücken? Schwer, aber man kann sich eine bessere Vorstellung von den Dimensionen machen: 2011 sind mehr als 500.000 Euro an Zusagen in die Projekte geflossen plus noch mal so viel Geld von anderen Organisationen, wie etwa BMZ oder Ärzte für die Dritte Welt. „Es ist uns gelungen andere anzustecken“,…auch dies sei laut dem Visionär Kasper ein Grundstock des Erfolgs, der sich allein schon in der großen Zahl an Freiwilligen zeigt, die in und um Königstein, ja in der ganzen Region, die Ziele der Stiftung verfolgen. Zum engeren Kern zählen 100 Ehrenamtliche, wie zum Beispiel ein Student, der Kommunikations-Design studiert und die Broschüren für Childaid entworfen hat. „In Königstein sind wir gut angesiedelt, viele Menschen, die hier leben, haben einen internationalen Bezug“, sagt Kasper, zu dessen Arbeit es auch gehört, andere zu motivieren. Im „Königsteiner Salon“, der sich zu einer hochkarätigen Veranstaltungsreihe entwickelt hat, versammelt er Förderer, Impulsgeber und Visionäre. Interessante Vorträge dienen dazu, zu neuen Perspektiven zu gelangen, bereiten den Weg für neue Ideen. So auch der Stiftungstag am 3. November in Wiesbaden, an dem Childaid teilnehmen wird, das bereits vom Land als „Stiftung des Monats“ ausgezeichnet wurde und im Herbst die Chance auf „Stiftung des Jahres“ hat sowie von der neutralen Organisation „Charity Watch“ empfohlen wird. Zwei bis drei Mal im Jahr tritt der Stiftungsbeirat, dem viele prominente Namen angehören, zusammen, damit für die Kinder Türen geöffnet werden. Neben den Stiftern gehört Hermann-Henrich Holtermann, pensionierter Bankdirektor, dem operativen Vorstand von Childaid Network an. Der Beirat der Stiftung besteht derzeit aus Karl-Heinz Flöther, COO Accenture (Kronberg), Dr. Thomas Gauly, Partner CNC Communications (Frankfurt), Wolfgang Kirsch, CEO DZ Bank (Frankfurt), Dr. Thomas Kreuzer, Gründer und Leiter der Fundraising Akademie (Frankfurt), Jean-Paul Muller, Missionsprokurator der Salesianer (Bonn), Prof. Dr. Franz-Josef Radermacher, Professor für künstliche Intelligenz, Mitglied des Club of Rome und Leiter des Instituts FAW/n (Ulm), Ekkehardt Sättele, Partner Ernst&Young und  Vorstandsvorsitzender der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung (Frankfurt) sowie Michael Steeb, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (Köln). Netzwerke bilden, andere für die Ideen begeistern sowie Öffentlichkeit für Patenschaften in punkto Bildung und Spenden für Projekte herzustellen – daraus besteht die Vision, die nicht nur anrührt, sondern auch von Erfolgen gekrönt ist. Ebenfalls ein Standbein: Fundraising-Aktionen. Eine der  bemerkenswertesten wurde 2009 durchgeführt, als die damals neunjährige Anna auf den höchsten Berg Nordafrikas kletterte und dabei 120.000 Euro für die Stiftung sammeln konnte. „Wir wollen die Strukturen vor Ort verändern“ – um dies zu erreichen arbeitet man an mehreren Fronten  gleichzeitig. Für 10.000 Schüler hat man inzwischen in über 200 kleinen Schulen neue Perspektiven geschaffen. Was hat man geschafft? 5.000 Schüler, die vorher ihren Namen nicht schreiben konnten und früher auf dem Markt übers Ohr gehauen wurden, können jetzt dank des Besuchs der Abendschule unter anderem Liedertexte auf Englisch schreiben und singen. Im Stamme der „Santhals“ im westlichen Assam leben 500.000 Menschen, die weder Zugang zur Bildung noch zu einem Arzt hatten. Das wird sich ändern. Dank Childaid wächst heute eine ganz neue Generation von Akademikern heran, die das Schicksal des Stammes selbst in die Hand nehmen wird. 70 Lehrer helfen den 3.700 Stammeskindern dabei, Anschluss an das staatliche Schulsystem zu finden. In Guwahati leben 20.000 Kinder auf der Straße – hier setzt Childaid zusammen mit „Pater Lukose“, dem Kinderbeauftragten der Stadt, auf ein Netzwerk der „Nachbarschaftshilfen“.Auch Handwerkszentren sind gegründet worden, um Berufsbildung möglich zu machen. „Es geht nicht allen so gut wie uns“ – Bewusstsein dafür, auch bei den Schülern hierzulande zu schaffen, auch das ist ein Anliegen der Stiftung, die am Taunusgymnasium unter zahlreicher Beteiligung der Schüler die „Amguri AG“ anbietet. Die Arbeitsgemeinschaft ist nach der Patenschule im Nordostindischen Amguri benannt, die vor einem Jahr gegründete wurde, vom Orden „Don Bosco“ gemanaged und sukzessive ausgebaut wird und derzeit von 350 Schülern besucht wird. In der kommenden Woche wird Dr. Martin Kasper – wie so oft in diesem Jahr – seinen Koffer  packen und nach Indien fliegen. Hier wird er nicht nur wieder den Kampf gegen mangelnde Bildung aufnehmen, sondern auch uns gänzlich unbekannte Herausforderungen, wie in Gebieten unterwegs zu sein, in denen es weder ausgebaute Straßen, fließend Wasser oder Strom gibt. Am Dienstag nächster Woche wird Dr. Kasper zusammen mit 30 Fachleuten an einer Konferenz in Guwahati teilnehmen. Zusammen will man Ideen entwickeln, wie man an die Wurzel des Übels gelangt, so dass Kinder von ihren Heimatdörfern gar nicht erst in die Stadt flüchten müssen, wo sie oftmals ein Schicksal als Straßenkind erwartet.

„Es ist uns gelungen, andere anzustecken“